Kompetenzblätter

Kompetenzblätter

Im Jahr 2016 wurde die Koordinationsstelle seitens der Kooperationspartner AMS, FSW, SMS und WAFF beauftragt, einen Prozess zu begleiten, der zur Schaffung eines konkreten gemeinsamen Bildes hinsichtlich „Ausbildungsreife“ sowie zu einem gemeinsamen Verständnis betreffend die Einstiegsanforderungen in Lehr- oder Schulausbildungen in Wien dienen soll. Im Zuge dieses Prozesses wurde bei den Angeboten der Wiener Ausbildungsgarantie eine Befragung zu den Einstiegsvoraussetzungen in Ausbildungen und zur Kompetenzabklärung durchgeführt.

2017 wurden in weiterer Folge von der Koordinationsstelle unter Mitwirkung der Angebote der Wiener Ausbildungsgarantie die Kompetenzblätter entwickelt und im Rahmen einer Fachtagung vorgestellt.

Was sind Kompetenzblätter und wie können sie verwendet werden?

Warum braucht es Kompetenzblätter?

Die Kompetenzblätter sind als Unterstützung für Beraterinnen und Berater gedacht, die Jugendliche bei der beruflichen Erstausbildung, besonders bei der Lehrstellensuche, begleiten. Sie helfen, das Wissen über die Einstiegsanforderungen in unterschiedliche Berufsausbildungen zu steigern. In den Blättern sind die erforderlichen Einstiegskompetenzen für die vom AMS geförderten Ausbildungsformen, gegliedert in Berufsobergruppen und innerhalb dieser in einzelne Berufsbilder, aufgeführt.

In Wien fördert das AMS die duale berufliche Erstausbildung bei Bildungsträgern in vier Ausbildungsvarianten:

  • Im Modell ÜBA 2 haben die Jugendlichen einen Ausbildungsvertrag beim Bildungsträger, machen die Fachpraxis aber bei einem Ausbildungsbetrieb (am ersten Arbeitsmarkt).
  • Im Modell ÜBA 1 wird die Fachpraxis beim Bildungsträger in Gruppen vermittelt.
  • Die Verlängerte Lehrzeit (VL) unterscheidet sich von der ÜBA 1 im Wesentlichen nur darin, dass für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte wenigstens 1 Jahr mehr Zeit zur Verfügung steht und die Ausbildungsform für eine andere Zielgruppe gedacht ist.
    Die fachtheoretische Ausbildung erfolgt in allen drei Fällen in der Berufsschule.
  • Bei der Teilqualifizierung (TQ) wird nicht das gesamte Berufsbild vermittelt, sondern nur Teile daraus gelehrt. Diese sind von den jeweiligen Voraussetzungen, die Jugendliche mitbringen, abhängig.
    Sowohl die TQ als auch die VL werden von der Berufsausbildungsassistenz (BAS) begleitet.

Unabhängig von den formalen Voraussetzungen ist es grundsätzlich möglich, dass die Jugendlichen im Laufe der Ausbildung die Ausbildungsform wechseln können. Die Kompetenzblätter beschreiben die Einstiegsvoraussetzungen in die unterschiedlichen Ausbildungsformen und stellen diese zur besseren Verständlichkeit vergleichend nebeneinander.

Was sind Kompetenzblätter?

In den Kompetenzblättern sind die Einstiegsvoraussetzungen der unterschiedlichen Ausbildungsformen praxisnah und eingängig, mit Beispielen versehen, beschrieben. Es wird unterschieden zwischen

  • Basiskompetenzen: Jene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen, die Jugendliche unabhängig von der Ausbildungsform für die Berufsobergruppe oder Berufsausbildung mitbringen müssen, und
  • spezifischen Kompetenzen: Jene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen, die Jugendliche für die jeweilige Ausbildungsform in der Berufsobergruppe oder Berufsausbildung mitbringen müssen.

Wie werden die Kompetenzblätter verwendet?

Die Kompetenzblätter sind dazu gedacht:

  • Sich unabhängig von einem konkreten Fall einen Überblick und Orientierung über die Einstiegsanforderungen in unterschiedliche Berufe und Ausbildungsformen zu verschaffen.
  • Sich im konkreten Fall an relevanten Kompetenzen zu orientieren, um zu prüfen, ob die Jugendlichen das Interesse am Beruf sowie wichtige Schlüsselkompetenzen für den Einstieg in die vier Ausbildungsformen mitbringen.
  • Beraterinnen und Berater dabei zu unterstützen, die Jugendlichen und deren Stärken ganzheitlich zu erfassen, indem die Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Blick genommen werden.
  • Im Laufe der Zeit Sicherheit durch das Wissen über die Einstiegsanforderungen in die unterschiedlichen Ausbildungsformen zu bekommen.
  • Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anhand der Blätter einzuschulen und somit die Informationen des BIC und des Berufslexikons des AMS zu ergänzen.

Es kann sinnvoll sein, sich bestimmte Kompetenzblätter auszudrucken und regelmäßig in Beratungen zu verwenden. Grundsätzlich ist zu bedenken, dass der Einstieg nicht von einer Fähigkeit allein abhängig ist, sondern vom Gesamteindruck, den Entwicklungspotentialen und der Gewichtung des jeweiligen Anleitungsbedarfs.

Was die Kompetenzblätter nicht sind:

  • Ein Ersatz für die Informationen im Berufsinformationscomputer oder im Berufslexikon des AMS.
  • Eine reine Checkliste zur Zuordnung von Jugendlichen zu einer Ausbildung bzw. Ausbildungsform, in dem Sinne, dass man vorhandene und fehlende Kompetenzen einfach zusammenrechnet.